Chorprobe über Zoom – geht das?

Chorprobe über Zoom
Chorprobe über Zoom

Neue Möglichkeiten - und Grenzen

Corona hat uns lahmgelegt in der Chorszene. Noch mehr: Singen ist jetzt bööööseeeee. Zusammen singen noch umso meeeehhhrrrrrr. Besondes viel Aerosole werden beim Singen ausgestossen, heisst es.

Das wird noch zu überprüfen sein. Denn als Gesangslehrerin kann ich sagen: Wer behauptet, beim Singen werde durch mehr einatmen und mehr ausatmen mehr Aerosol ausgestossen, hat das Singen in seinem Mechanismus nicht verstanden – oder eine lausige Gesangstechnik.

Beim Singen gehen wir mit dosierter Luft um. Tiefer einatmen? Fehlanzeige. Beim Sport ist das ganz anders.

Aber das ist ein Nebenschauplatz. Und gesicherte Ergebnisse aus Studien fehlen noch.

Solange das so ist, müssen wir Chorleiter wohl auf unsere Proben im herkömmlichen Sinn verzichten.

Obwohl es kreative bis wahnwitzige Lösungenansätze gibt…ich habe von Chorleitern gehört , die „Autochorproben“ halten. Jawohl, alle fahren mit dem Auto auf einen Parkplatz. Und singen dann da.

Leute…die Umwelt…da hab ich ne andere Idee.

Was zeigt das? Das zeigt, dass wir Chorleiter gerade eine – wie man in der Psychologie sagt – Anpassungsstörung haben. Symptome der Anpassungsstörung sind:

Angst und Sorge, Depressivität, Ärger, Verbitterung, Verzweiflung und emotionale Verwirrtheit. 

Bäm. Passt, oder? Findet jemand sich da wieder?

Bangen um den eigenen Chor. Verkrampfte Versuche, im Graubereich zwischen Legal und illegal den eigenen Chor zu erhalten. Total verständlich.

Doch, Kollegen…es geht leichter.

Die Lösung heisst: Zoom.

Oh ne…online proben…das geht ja nicht…da kann man ja nicht mehrstimmig singen … und die Latenz ( Latenz ist übrigens das geflügelte Wort in den Chorleiterforen, in denen ich mitdiskutiere. Wenn amn von Latenz spricht…dann gibt man sich so eine Aura von Gelehrtheit…gemeint ist einafch zeitliche Verzögerung.)

Zurück: Durch unsere Chorszene geht ein Riss.

Lager Nr 1: Die Zoom Gegner. Argumente: Siehe oben.

Lager Nr 2: Die Zoom-Befürworter. Die behaupten: Anything goes. Dann probst du halt online.

Die Realität liegt dazwischen.

Und um die Chancen, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen geht es in diesem Artikel.

Das hier zeige ich dir in diesem Artikel

Ich möchte euch, liebe Kollegen, ermutigen. Euch zeigen, wie ihr Zoom jetzt gut nutzt, um diese Zeit zu überbrücken.

 

Ich zeige euch hier:

  • Was Zoom ist
  • Warum Zoom und nicht Skype und Co
  • Welche Vorbereitungen ihr treffen müsst
  • Was euer Chor vorher tun muss
  • Welches technische Equipment ihr WIRKLICH braucht
  • Welche Einstellungen ihr bei Zoom vornehmen müsst, damit euer Ton zum Musizieren gut funktioniert
  • Wie ihr Proben gestalten könnt. Was geht. Was geht nicht. Und was geht hier besser…das gibt’s auch
  • Wie ihr mit dem Zoom Special Breakout Room arbeitet
  • Wie ihr mit SängerInnen umgeht, die no digitals sind
  • Was ihr darüber hinaus noch tun könnt

Was ist Zoom?

Zoom ist eine Anwendung für virtuelle Meetings. Ursprünglich auch in erster Linie für diese genutzt. Alle Teilnehmer sind auf dem Bildschirm mit Video sichtbar, können sprechen und sich dabei sehen. Medien und der Bildschirm könnnen für alle geteilt werden. Gesangspädagogen, die online Unterricht geben, nutzen Zoom bereits länger auch dafür.

Auf www.zoom.us kannst du dir das Ganze anschauen.

Zoom funktioniert auf dem Laptop, du brauchst aber eine Kamera, damit dich dein Chor sehen kann. Die modernen Geräte sind da standardmässig mit ausgestattet. Für Tablet und Smartphone gibt es eine App, die du downloaden kannst.

Für die Chorprobe über Zoom empfehle ich dir aber unbedingt den Laptop – und zwar für alle Teilnehmer. Ihr könnt Feineinstellungen vornehmen und die Funktionen voll nutzen. Auf der App ist das eingeschränkt und sie ist störanfällig.

Warum nicht Skype oder Whatsapp?

Zoom verfügt über unfangreiche Einstellungen bezüglich Tonqualität und einer Reihe von Zusatzfunktionen, die wir gut nutzen können. Skype hat das nicht und whatsapp ist komplett untauglich dafür, denn hier kann nicht eine Partei stumm geschaltet werden, was wir aber brauchen. Dazu später mehr.

Welche Vorbereitungen musst du als ChorleiterIn treffen?

Wenn du mit dem Chor proben möchtest, lade dir bitte den Zoom Client herunter. Das kannst du auf www.zoom.us tun. „Download Zoom“.

Das ist wie im real life, wenn du für deinen Chor einen Probenraum ausgesucht hast und ihn jetzt vorbereitest und einrichtest.

Zoom funktioniert auch ohne das, aber: Du musst ein paar Einstellungen anpassen, die nur im Client direkt auf deinem Laptop möglich sind. Dann kannst du prima mit deinem Chor musizieren. Du kannst also über den Client deinen Probenraum einrichten.

Zu den Einstellungen, also zum Einrichten deines Probenraumes, kommen wir gleich.

Um die Erste Probe zu halten, bereitest du deinen virtuellen Probenraum vor und gibst dem Chor bekannt, wo du mit ihm probst. Wie im richtigen Leben.

 

So geht das Schritt für Schritt:

  1. Auf der Website von Zoom gehst du in deinen Account. Dort gehst du unter „Meetings“ auf „Persönlicher Meetingraum“. Das ist dein virtueller Probenraum. Nimm dort das Häkchen bei „Passwort“ heraus. Das brauchen wir icht. Du kopierst du dir den Link deines persönlichen Meetingraums, die URL.
  2. Diesen Zugangslink versendest du an deine Sänger per Email. Du sagst Ihnen damit: Wir proben hier: ….
  3. Diese klicken dann zur vereinbarten Zeit auf den Link und schon sind sie in deinem virtuellen Probenraum.
  4. Zur selben Zeit gehst du in deinen Zoom Account auf der zoom-website in deinen persönlichen Meetingraum (s.o.) und klickst auf „Starten“. Damit sperrst du die Türe zu deinem Probenraum auf. Wie im real life. Und schon seid ihr alle zusammen.

Der Vorteil ist, dass dieser Link dann gleich bleibt.

Du musst ihn nicht jede Probe neu versenden. Und auch du gehst einfach auf Persönlichen Meetingraum und dort auf Meeting starten. Damit sperrst du die Türe zum Probenraum auf und alle können hinein, indem sie wieder auf den link klicken.

Das muss dein Chor tun

Idealerweise lädt sich auch jeder Sänger den Client herunter, und nimmt dort dieselben Einstellungen vor wie du. Aber wenn nicht, auch kein Problem, der Ton ist dann nur nicht gaaaanz ideal.

Ansonsten muss dein Chor nur auf den versendeten Link klicken und dann geht’s los.

Solltest du jemanden nicht sehen können, sage ihm , er soll auf das Kamerasymbol links unten klicken und damit die Kamera anschalten.

Deine Sänger brauchen ebenfalls entweder einen Laptop mit Kamera, ein Tablet oder Smartphone. Ich empfehle auch hier den Laptop. Aber wenn der keine Kamera hat, besser das Smartphone nehmen. Dazu brauchen deine Sänger das, was sie in der normalen probe auch haben. Noten, Stuhl…

Welches technische Equipment du wirklich brauchst

Man hört so Dinge von: Mikrofon, Audio-Interface (what???;-), angeschlossenes Keyboard über Mischpult…

Vergiss alles. Brauchst du nicht. Das sind Dinge, die Cracks benötigen, die dann mit dem Keyboard direkt in den Laptop spielen wollen, eventuell ne Band dazu abspielen und dazu singen…damit es keine Verzögerung intern gibt, benötigt man da allerhand.

Du brauchst:

Dein Klavier. Egal welches. Den Laptop so positioniert, dass du arbeiten kannst und dein Chor dich gut sieht (Hot Tipp: Notenständer…) deine Noten, und Basta.

Man kann verdammt viel aufstocken. Aber für eine funktionierende Basisarbeit reicht das. Wenn du hast, nimm noch Lautsprecher und stöpsele sie an den Laptop. Du verstehst deine SängerInnen dann leichter, wenn ihr euch besprecht.

Die wichtigen Toneinstellungen im Zoom Client

Diese Einstellungen solltest du im Zoom Client vornehmen, damit der Ton von dir optimal bei deinen SängerInnen ankommt:

 

  1. Rufe den Client auf deinem Laptop auf. Suche einfach nach „Start Zoom“
  2. Gehe auf Einstellungen (rechts oben das Rädchen) und hier auf „Audio“ und „Erweitert“
  3. Bei den erweiterten Audioeinstellungen setze das Häkchen bei „Originalton aktivieren anzeigen“.

So kannst du später in der Probe links oben den „Originalton“ anschalten.
Das ist die beste Einstellung für Musik. Dein Klavierspiel plus Singen wird so ohne Aussetzer übertragen. Ansonsten wären Geräuschfilter aktiv. Die zerstückeln dir die Musikübertragung.

Zoom Client auf deinem Laptop

Alles das zeige ich dir Step by Step zum Mitmachen im Webinar: Trainingscamp Zoom für ChorleiterInnen.

So geht Proben über Zoom

Erster Schritt: Klicke, wie schon erwähnt, auf „Originalton einschalten“ im Meeting. Sonst gib es Klangsaussetzer bei deinen SängerInnen drüben.

Zweiter Schritt: schalte nach der Begrüssungsphase, wenn ihr beginnt zu proben, alle Mikrofone deiner Sänger auf stumm. Das kannst du unter „Teilnehmer verwalten“ mit einem Klick tun. Mehr dazu unten.

Digital sind Stimmproben sehr gut möglich, ebenso wie das

  • Einstudieren neuer Songs
  • Dirigat einüben mit den Sängern
  • Stimmbildung
  • Choreografien…

Nicht möglich ist: gemeinsam mehrstimmig singen. Das ist in keiner Anwendung derzeit möglich. Dazu haben die Netzte zu unterschiedliche Üertragungsgeschwindigkeit. Es gibt Verzögerung. Nicht möglich ist generell, dass ihr euch gegenseitig hört, also alle Mikrofone offen habt. Der Ton kracht und knackt zur Verzögerung.

Hä? Denkst du jetzt. Aber ich muss doch meinen Chor hören können. Um zu korrigieren. Nein, geht nicht. Du lernst jetzt etwas Grossartiges: Vertrauen. Nämlich dahinein, dass deine Sänger sich dann melden, wenn etwas nicht klappt und dich bitten können: Takt sowieso nochmal.

Du kannst einzelne vorsingen lassen. Damit lernt ihr alle: Respekt und Mut.

Erinnere dich daran, dass Chorporben mehr sind als das Spiel: Alle singen miteinander und einer sagt „richtig“ oder „falsch“. Chor, das sit Gemeinschaft. Miteinader etwas voran bringen. Auch in schwierigen Zeiten.

Zoomproben sind also immer Einzelstimmproben und laufen auf 2 Arten:

Du spielst und singst, deine Sänger machen mit oder nach. Alle Mikrofone ausser deinem sind dann stumm geschaltet. Die Sänger melden sich, wenn sie Fragen haben.

Oder:

Du machst gezielt ein einzelnes Mikrofon eines Sängers auf, und dann singst du vor. Und er/sie singt unbegleitet nach. Bei 2 offenen Mikros geht gleichzeitig singen nicht. S.O.

Du kannst dem Chor neue Stücke vorstellen und vom Laptop abspielen.

Dazu gehst du auf „Bildschirm teilen“ – erweitert – Computerton freigeben. Und schon können alle das hören, was du abspielst.

Du kannst dem Chor Noten einblenden und mit ihm Absprachen und Aussprachen sowie Dynamik festlegen. Damit arbeitest du vor für die Proben im wirklichen Leben.

Dazu gehst du auf „Bildschirm teilen“ und wählst die Datei aus, die du zeigen willst.

Mit der Maus kannst du anzeigen wo was eingetragen werden soll. Und alle übertragen das in ihre Noten.

Dir schwirrt der Kopf? Lass es dir Step by Step zum Mitmachen zeigen im Webinar „Trainingscamp Zoom für ChorleiterInnen.

Breakout Rooms - Zoom Special

Du kannst Gruppen von Sängern in einen Nebenraum schicken. In Zoom heisst das „Breakout-Session“. Dort kann z.B. eine Stimmgruppe für sich üben. Oder der Stimmbildner übernimm eine Gruppe. Dazu musst du in den Einstellungen „Breakout-Session“ anwählen. Dann kannst du das im Meeting tun. Du wählst die Namen derjenigen, die in den Nebenraum gehen sollen. Und dann sind sie „weg“ aus dem Hauptraum. Du selbst kannst in den Nebenraum gehen. Und zurück in den Hauptraum. Tricky. Aber etwas für Fortgeschrittene Zoomer. Im Bild unten siehst du in der Leiste das ICON für die Breakout-Session.

No-Digitals einbinden

Es gibt immer wieder SängerInnen, die sich mit der digitalen Welt schwer tun.

Die keinen Laptop haben.

Sie können sich über eine Telefonnummer mit in die Probe einwählen und zuhören. So sind sie Teil der Gemeinschaft. Das ist ein Angebot deinerseits. Damit kannst du dich entspannen. Au Erfahrung weiss ich, wie anstrengend es derzeit sein kann, allen gerecht werden zu wollen.

Was du sonst noch tun kannst

  • Einen Stammtisch über Zoom einrichten. Damit pflegt ihr die Chorgemeinschaft und tastet euch an Zoom heran.
  • Die Probe aufzeichnen. So können fehlende Sänger nachholen.
  • Socialising machen:
    Miteinander tanzen zu ongs, die du abspielst und Rhythmusspiele machen.
    Hier gilt auch immer: Mikros deiner Sänger AUS.

    Und vieles mehr, das mir jetzt grad schon gar nicht mehr einfällt.

 

Think positive. Eine Krise ist eine Chance. Wenn wir sie zu nutzen verstehen. Seien wir füreinander da in der Chorleiterszene. Tauschen uns aus. Helfen und stützen einander.

 

Wenn du Support brauchst: Ich gebe 60 minütige Workshops: Zoom Training für Chorleiter. Da zeige ich dir alles nochmal genau zum Mitmachen.

Auf www.stimme-nuernberg.de findest du die Termine.

 

 

Fragen? Schreib mir hier gerne. Deine Antje

Willst du mit mir an deiner Stimme arbeiten?

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Atemtyparbeit

nach Renate Schulze Schindler und Romeo Alavi Kia.

Eine wunderbare Ressource wenn es um Höchstleistung und absolute Stabilität in stimmlichen Stress-Situationen geht. Ich habe dieses Thema zutiefst durchdrungen und lebe es selbst in meinem täglichen Stimmleben und auf der Bühne. Ich kenne nichts, das besser funktioniert und ich zeige es dir gerne.